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30.11.2017

Peak Platin: Wann wird die Platinförderung ihren Hochpunkt erreichen?

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Platin ist namensgebendes Mitglied der Gruppe der sog. Platinmetalle (engl. "Platin Group Metals", oft abgekürzt als "PGM") zu denen noch (nach aufsteigender chemischer Ordnungszahl) Ruthenium, Rhodium, Palladium, Osmium und Iridium gehören. Die Metalle weisen ähnliche chemischen Eigenschaften auf und kommen daher auch in der Natur oft zusammen (vergesellschaftet) vor.

Platin wird heute zumeist in Kupfer- und Nickelbergwerken als Nebenprodukt gewonnen. Mit Abstand größter Förderer ist Südafrika mit einem Anteil von 70,5% an der globalen Fördermenge 2016 [1]. Die Förderung stammt aus dem "Bushveld Complex" nördlich von Johannesburg. Wie stark damit die Dominanz Südafrikas in diesem Markt ist, wird klar, wenn man z. B. bedenkt, dass

  • Saudi-Arabien nur 10 Prozent des Ölmarktes bedient
  • Kasachstan ca. 40 Prozent des Uranmarktes hält.
Bushveld Complex Südafrika Platin Fördergebiet

Abb. 1: Bushveld Komplex nördlich von Johannesburg (Bildquelle: [2]).


In diesem Komplex, der 1924 entedeckt wurde, werden 80 % aller weltweiten PGM Reserven vermutet [2]. Die südafrikanische Minenkammer gibt ab, dass 75 % der bisherigen gesamten globalen Fördermenge aus dieser Region stammt. Im Jahr 2016 teilte sich die restliche Fördermenge wie folgt auf:

  • Russland: 12,3 Prozent
  • Simbabwe: 8,1 Prozent
  • Kanada: 4,8 Prozent
  • USA: 2,1 Prozent
  • Rest der Welt: 2,1 Prozent
Zweitgrößtes Förderland ist Russland, gefolgt von ("Ex-Mugabe-Land") Simbabwe. Alleine diese drei Länder stellen ca. 91 % der weltweiten Fördermenge. Welches Risiko der Versorgungssicherheit dies birgt, zeigte das Jahr 2014, als die südafrikanischen Minenarbeiter für fünf Monate für höhere Lohne streikten (siehe gelbe Balken in Abb. 2): Die jährliche Förderung fiel von zuvor 4,4 Mio. Uz. (137 t) auf 3,1 Mio. Uz. (96 t).

Angebot Platin 2016 aus Minenförderung und Recycling

Abb. 2: Quellen des Platinangebotes 1976 - 2016 (Schätzwert für 2017)
(Bildquelle: CPM Platinum Group Metals Yearbook 2017 [1]).


Abbildung 2 zeigt mehrere interessante Aspekte des globalen Platinmarktes auf:

  • a) Einschließlich des Angebotes aus dem Recycling stellte Südafrika in 2016 58,4 % des gesamten Angebotes dar (4,2 Mio Uz. von 7,2 Mio. Uz. [1]).
  • b) Das Recycling wurde seit den 1970er Jahren stark ausgebaut und trug 2016 mit 17 % stark zum Angebot bei (1,2 von 7,2 Mio. Unzen).
  • c) Das bisherige Peak-Platin in Südafrika war im Jahr 2006 mit knapp 5,4 Mio. Unzen (siehe auch folgende Abb. 4). Dies stellt damals 76,4 % der globalen Minenförderung bzw. 64,6 % des gesamten Angebotes inkl. Recycling. Aufgrund der Marktdominanz dieses Landes im Platinmarkt, ist zu erwarten, dass "Peak-Südafrika" auch das globale "Peak-Platin" darstellt oder darstellen wird. Inwieweit die historischen Förderdaten von Platin schon heute die Interpretation zulassen, dass das Jahr 2006 das Peak-Platin Jahr war, wird noch erörtert werden.


Südafrika Platinförderung Platinproduktion seit 1976

Abb. 3: Südafrikanische Platinförderung 1976 - 2016 (Schätzwert für 2017),
eigene Ergänzungen (Bildquelle: CPM Platinum Group Metals Yearbook 2017 [1]).


Die Förderkurve des zweitgrößten Förderlandes Russland ist im Hinblick auf ein Peak-Szenario natürlich ebenfalls sehr interessant.

Russland Förderung Produktion Platin seit 1981

Abb. 4: Russische Platinförderung 1981 - 2016 (Schätzwert für 2017),
eigene Bearbeitung (Bildquelle: CPM Platinum Group Metals Yearbook 2017 [1]).


Russland förderte im Jahr 2001 1,2 Mio. Unzen Platin (37 Tonnen), was das bisherige "Peak-Russland" darstellt. Bis 2016 fiel dieser Wert auf 23 Tonnen ab, d. h. - 38 %. Aus aktueller Sicht kann demnach festgehalten werden, dass für die beiden größten Förderländer das Peak-Platin bereits in der Vergangenheit liegt, und zwar 11 bzw. 16 Jahre in der Vergangenheit.

Dass die globale Fördermenge der Minen aufgrund dieser Tatsache in den letzten Jahren dennoch nicht noch weiter gesunken ist, liegt z. B. an Simbabwe als Förderland Nr. 3, welches seine Förderung seit der Jahrtausendwende stark ausbauen konnte.

Simbabwe Förderung Produktion Platin

Abb. 5: Platinförderung von Simbabwe 1996 - 2016 (Schätzwert für 2017),
(Bildquelle: CPM Platinum Group Metals Yearbook 2017 [1]).


Weitere kleine Förderländer haben nach Angaben des Platin Metals Yearbook ebenfalls ihr Peak-Platin Jahr bereits erreicht und fallen in der Förderung:

Förderländer die bereits Peak Platin erreicht haben

Die folgende Abb. 6 zeigt die mengenmäßige Entwicklung des Recyclings, welches aus den Bereichen Elektronik, Schmuck und Automotive stammt.

Quellen des Platin Recyclings Elektronik Schmuck Automobil

Abb. 6: Recycling von Platin 1976 - heute
(Bildquelle: CPM Platinum Group Metals Yearbook 2017 [1]).


Der weitaus größte Teil stammt aus dem Recycling von Auto-Katalysatoren, deren Verwendung und Wiederverwertung Anfang der 1980er Jahre begann. Weitere Teile stammen aus dem Schmuck-Recycling (engl. "Jewelry") und dem Aufbereiten von Elektronikschrotten.
Auch in dieser Kurve ist im Jahr 2010 ein "Peak-Recycling" zu erkennen, wobei die Recyclingrate eine Funktion des Preises ist. Generell kommt mehr Material ins Recycling, wenn der Preis des Metalles steigt.

Angebot und Nachfrage halten sich bei Platin zumeist die Waage, wie die folgende Graphik illustriert.

Global Angebot und Nachfrage Platin seit 1976

Abb. 7: Angebot und Nachfrage von Platin 1976 - heute
(Bildquelle: CPM Platinum Group Metals Yearbook 2017 [1]).


Nachdem die Nachfrage von 1982 - 2005 stark stieg, ist seit ca. einer Dekade eine konstante Nachfrage von ca. 7 Mio. Unzen (ca. 220 t) festzustellen. Diese Nachfrage teilt sich wie folgt auf (Anmerkung: Vor 1994 wird keine Nachfrage aus dem Schmuckbereich angegeben, was schwerlich der Realität entsprechen kann):

Nachfrage nach Platin aus den Bereichen Automobil Schmuck Dental Elektronik

Abb. 8: Nachfrage nach Platin 1976 - heute
(Bildquelle: CPM Platinum Group Metals Yearbook 2017 [1]).


Die Hauptnachfrage kommt mit 46 Prozent aus der Automobilindustrie, 33 Prozent aus der Schmuckindustrie, 2,7 Prozent Elektronik, 9,0 Prozent Chemie & Ölraffinierung, 0,5 Prozent Medizin und 8,8 Prozent aus weiteren Anwendungen. Katalysatoren für Dieselfahrzeuge werden mit Platin hergestellt, Benzinfahrzeuge benötigen hingegen Palladium. Durch die steigende Nachfrage nach Elektro- und Hybridfahrzeuge kann für die kommenden Jahre angenommen werden, dass die Nachfrage aus dem Automobilsektor sinken wird. Das Jahrbuch für Platin stellt fest, dass obwohl Dieseltreibstoff in Europa günstiger ist als Benzin, und diese Fahrzeuge zudem verbrauchseffizienter sind, die Nachfrage sinke. Die Gründe hierfür werden u. A. in einem - Zitat - "negativen Sentiment" gesehen. Ein mainstreamfähiger Begriff für Gehirnwaschung und ein gutes Beispiel dafür, dass durch ständige Wiederholung jede Vorgabe der Meinungsmacher zur gefühlten Wahrheit mutieren kann.


Mathematische Modellierung der globalen Förderdaten

Die globalen Förderdaten alleine für Platin zu eruieren, ist nicht möglich, da die historischen jährlichen Fördermengen aus den bekannten Quellen nur für die gesamten Platingruppe dokumentiert sind.

Das unter Ref. [1] zitierte Jahrbuch gibt die expliziten Fördermengen für Platin erst ab 1976 an. Vergleich man diese Daten ab 1976 jedoch mit der historsischen Zeitreihe des U.S. Geological Survey für die gesamte Platingruppenmetalle [3], so stellt man fest, dass im Mittel ca. 40 % der Förderung der Platinmetalle auf das Platin entfallen. Multipliziert man demnach die historische Datenreihe des USGS ab 1900 mit 0,4, dürfte man als Ergebnis eine gute Näherung der Realität erhalten. Förderdaten vor 1900 sind nach bestem Wissen des Autors nicht dokumentiert. Einige nicht zitierfähige Quellen sprechen jedoch von ca. 9.400 Tonnen Platin, die bisher in der Menschheitsgeschichte gefördert worden sein sollen (hierzu im Vegleich Gold: ca. 180.000 t). Die wie oben beschrieben gewonnen Daten ergeben eine Summe von 6.855,1 Tonnen, die seit 1900 gefördert wurden. Wie in vorigen Artikeln bereits erörtert, muss in einem ersten Schritt die Gesamtfördermenge abgeschätzt werden, um eine Hubbert-Kurve zu modellieren. Die folgende Abb. 9 zeigt die kumuliert Förderkurve seit 1900, zusammen mit einer mathematischen Modellierung der Kurve.

Globale Platin Produktion mit mathematischer Modellierung Hubbert

Abb. 9: Kumulierte Platinförderung seit 1900 mit mathematischer Modellierung
(Datenquellen: [1] und [3], eigene Berechnungen und eigene Darstellung)


Diese erste Abschätzung ergibt für Q einen Wert von 14.100 Tonnen Platin, die bergbaulich zu gewinnen sein sollten. Je nach Quelle und Wert bedeutet dies, dass in der Zukunft noch rund 4.700 t förderbar sein werden (ausgehend von einer historsichen Gesamtförderung von genannten 9.400 t). Auch die zuvor beschriebene Hubbert-Linearisierung ergibt diesen Wert, wie die folgende Abbildung 10 zeigt.

Hubbert Linearisierung Platin

Abb. 10: Hubbert-Linearisierung der Platin-Förderkurve seit 1900
(Datenquellen: [1] und [3], eigene Berechnungen und eigene Darstellung).


Die Relation P/Q (jährliche Förderung P als Prozentsatz der bis dahin geförderten Gesamtmenge Q) ergibt durch die lineare Extrapolation der letzten Förderjahre einen Wert für Q¥ von 14.100 Tonnen.

Differenziert man die integrierte Kurve aus Abb. 9, so erhält man hieraus die folgende "Hubbert-Kurve" für Platin.

Hubbert Kurve für Platin: Peak Platin

Abb. 11: Globale Förderung von Platin mit mathematischer Modellierung nach Hubbert
(Datenquellen: [1] und [3], eigene Berechnungen und eigene Darstellung)


Die gesamte Fläche unter der grauen modellierten Kurve entspricht dem für Q gefundenen Wert von 14.100 Tonnen. Nach diesem Modell könnte die Förderung noch einige Jahre auf dem aktuellen Niveau von ca. 200 Tonnen pro Jahr verbleiben, bevor der Abfall einsetzt. Das hier modellierte Peak-Platin Jahr wäre 2018. Das reale Peak-Platin aus dem Jahr 2006 könnte sich demnach in der Tat auch in der zukünftigen Geschichte als das "richtige" Peak-Platin Jahr erweisen, nicht zuletzt deswegen, weil die beiden wichtigsten Förderländer Südafrika und Russland mutmaßlich bereits "gepeakt" haben können (siehe Abb. 3 und 4).

Die Autoren der Studie "Peak Metals, Minerals, Energy, Wealth, Food and Population; Urgent Policy Considerations for A Sustainable Society" aus dem Jahr 2012 [4] kommen für die gesamten sechs Platinmetalle auf folgende Hubbert-Kurve (Förderdaten vermutlich bis 2011 berücksichtigt):

Hubbert Kurve für Platin Stand 2011: Peak Platin

Abb. 12: Hubbert-Kurve für die sechs Platinmetalle Stand 2011 (Bildquelle: [4]).


Die modellierte Kurve für alle sechs Platinmetalle "peakt" nach dieser Studie ca. 2021 (graphisch interpoliert, siehe roter Strich in Abb. 13) und bestätigt die Charakteristik der von mir berechneten Ergebnisse aus Abb. 11. Insofern könnte der bisherige reale Peak-Punkt des Jahres 2006 bereits das wirkliche "Peak-Platin" Jahr gewesen sein, obwohl dies natürlich die Zukunft wird zeigen müssen. Die Vermutung liegt jedoch nahe, da Südafrika mit seiner dominierenden Stellung in diesem Markt seit 2006 eine fallende Förderung verzeichnen muss (zum Vergleich: Peak-Gold in Südafrika war bereits im Jahr 1970).

Die Metalle der Platingruppe sollten weitaus früher peaken, als Gold und Silber und könnten damit eine Blaupause dafür sein, was mit dem Preis geschieht, wenn die Nachfrage geologisch nicht mehr befriedigt werden kann.

Daher meine Meinung: So sinnvoll es kurzfristig aufgrund der weltweiten Ausweitung der Papiergeldmengen und der Verschuldungen ist, Edelmetalle bzw. Sachwerte zu besitzen, so überaus sinnvoll ist es langfristig aufgrund der gezeigten Peak-Szenarien. Der Preis eines Rohstoffes muss reagieren, wenn die Relation aus Angebot und Nachfrage nicht mehr im Einklang ist.

Dr. Jürgen Müller


Quellen:
[1] The CPM Platinum Group Metals Yearbook 2017
[2] Südafrikanische Minenkammer (Chamber of Mines)
[3] U.S. Geological Survey Data Series 140
[4] H.U. Sverdrup, D. Koca1 und K.V. Ragnarsdóttir: "Peak Metals, Minerals, Energy, Wealth, Food and Population; Urgent Policy Considerations for A Sustainable Society", Journal of Environmental Science and Engineering B 1 (2012) 5:499-533




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